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Pianist ♪ Komponist ♪ Performer
Hans Wolf

Starke Bilder, starke Töne ● Trio „Tempo Nuovo“

Tempo Nuovo vertont Buster Keatons Stummfilm „Der General“ live

Foto: Stefan Rossmann
Foto: Stefan Rossmann
Ebersberg – „Haben die jetzt überlebt?“ Da macht sich eines der Kinder im Publikum große Sorgen um die Akteure. Einige der älteren Semester im Saal lachen. „Ja, klar!“, ruft einer. Dabei haben sie alle zusammen gerade eine Situation miterlebt, die ihnen kurzfristig den Atem raubte: Den Sturz einer Dampflok von einer brennenden, einstürzenden Eisenbahnbrücke tief hinunter ins Tal. Diese Szene in Bild und Ton hat eine bald einstündige, hochdramatische Verfolgungsjagd auf Schienen beendet.

Die kommunale Musikschule hat diesmal Hans Wolf, Musiker, Komponist und Klavierlehrer, zu einem „Porträtkonzert“ ins alte kino geladen. Für diesen Anlass bringt Wolf sein Trio „Tempo Nuovo“ mit Stephan Lanius (Bass) und Thomas Hüther (Flöte und Percussion) mit – sowie die Komödie „Der General“ (1926) von und mit Buster Keaton. „Tempo Nuovo“ arbeitet seit über 20 Jahren an der Live-Vertonung von Stummfilmklassikern (wir berichteten).

Musik zu bewegten Bildern machen, eine Musik, die mitreißt, die zum Thema passt, modern ist und verständlich, eine Vertonung, die ruhig auch mal kommentieren darf: Hans Wolf und seine Kollegen zeigen im alten kino wie das geht. Mit Geräuschen, Melodien und Improvisationen schafft das Trio ein Gesamtkunstwerk, das sich bis zum dramatischen Höhepunkt und dem folgenden Happy-End in seiner Eindringlichkeit steigert.

Sprache vermisst bei diesen kurzweiligen 80 Minuten Stummfilm keiner. Warum auch? Die Musik erzählt die Geschichte des Films – lustig und mitreißend. Da gibt es wie auf der Leinwand immer wieder Wendungen und Überraschungen, auch mal Slapstick-Szenen, große Leidenschaft, Ironie und vor allem sehr viel Humor, für den der wunderbare Buster Keaton ebenso wie Hans Wolf ein feines Gespür hat.

„Jede Vorstellung ist anders“, sagt der Pianist.
„Wir lassen uns jedes Mal wieder neu auf die Bilder ein.“


Hochkonzentriert gehen die Musiker an ihre Arbeit. Alle drei beobachten ganz genau das Geschehen auf der Leinwand. Komponist Hans Wolf hat den Rahmen gesteckt, alles andere passiert spontan. Fragmente von „Chattanooga Choo Choo“ kommen und gehen so wie auch cooler, mal wirr-absurder Impro-Jazz oder locker-leicht Südamerikanisches. In einer der Massenszenen klingt der Radetzky-Marsch durch. Und es ist, als hätten Film und Musik schon immer zusammengehört.

02.02.2016 - Münchner Merkur, Sabine Heine

Münchener Merkur | 26. Januar 2016